Kommunikation kann Gräben vertiefen, automatisch vonstatten gehen. Sie kann aber auch Klarheit schaffen und Verbindung ermöglichen.
Für mich beginnt heilsame Kommunikation, die klar und liebevoll ist, mit drei Dingen:
Präsenz, Intention und Fokus.
Präsenz bedeutet zu sehen, was ist: Wie geht es mir gerade? Was bewegt mich? Was geschieht zwischen uns?
Dementsprechend beginnt heilsame Kommunikation damit, wahrzunehmen, was ist, ohne es sofort verändern, erklären oder lösen zu müssen.
Denn solange ich gegen das ankämpfe, was gerade Wirklichkeit ist, verliere ich den Kontakt zu mir selbst und zu meinem Gegenüber. Wenn ich bereit bin, hinzusehen, steige ich aus der Verwirrung, in der wir uns oft befinden, aus und werde klar.
Intention bedeutet, zu wissen, worum es mir geht: Was möchte ich mit diesem Gespräch erreichen? Was ist mir wirklich wichtig? Was ist in diesem Moment wesentlich?
Oft wünschen wir uns, dass der andere unseren Standpunkt anerkennt, uns versteht oder sich verändert. Doch nicht alles, was wir uns von einem Gespräch erhoffen, können wir selbst bewirken. Erst Recht nicht im Umgang mit einem anderen Menschen.
Eine Klientin von mir wollte in der Auseinandersetzung mit ihrem Ex-Mann vor allem Anerkennung für ihren Standpunkt. Sie lief damit immer wieder gegen eine Wand. Als sie ihren Fokus auf ihre eigenen Grenzen und das Wohl ihrer Kinder richtete, veränderte sich ihre Haltung.
Sie konnte nicht bestimmen, wie ihr Ex-Mann fühlte oder reagierte. Aber sie konnte klarer werden in dem, wofür sie selbst einstehen wollte.
Wenn ich weiß, worum es mir geht, muss ich den anderen weniger überzeugen, weil es mir um etwas Wesentlicheres, ja Größeres, geht.
Fokus bedeutet, das Wesentliche auszudrücken: Wie kann ich sagen, was mir wichtig ist, ohne den anderen zum Gegner zu machen?
Aus „Immer muss ich mich um alles kümmern. Du machst nichts“ kann werden: “Ich merke, dass ich gerade überfordert bin. Es gibt viel zu tun, und ich brauche Deine Unterstützung. Kannst Du mir dabei helfen?“
Der Unterschied liegt nicht allein in den Worten. Ich spreche aus, was in mir vorgeht, statt dem anderen zu erklären, was er falsch macht. Ich übernehme Verantwortung für meinen Anteil am Gespräch. Ich kümmere mich um mein Inneres und lasse dem anderen Raum, seinen eigenen Anteil und damit sich selbst einzubringen.
Fokus heißt, mich auf das zu besinnen, was ich wirklich mitteilen möchte. Damit bin ich weniger beim anderen und kann sicherstellen, dass ich in meiner Klarheit und Kraft bleibe.
Präsenz, Intention und Fokus unterstützen uns dabei, uns selbst klarer wahrzunehmen, aufrichtig auszudrücken und dem anderen offen zu begegnen.
Wir können nicht kontrollieren, wie ein Gespräch verläuft, dass wir verstanden werden oder tatsächlich eine gemeinsame Lösung finden.
Aber wir können dazu beitragen, dass Kommunikation nicht zum Grabenkampf um Recht, Anerkennung oder Veränderung im einseitigen Sinne wird, sondern zu einem Weg, um in einen besseren Kontakt mit uns selbst und anderen kommen.
Dass wir sagen, was uns wichtig ist, ohne uns selbst aus dem Blick zu verlieren. Dass wir zuhören und offen sein können, ohne unsere eigenen Bedürfnisse zu übergehen. Und dass wir unterschiedliche Empfindungen und Ansichten haben können und dennoch miteinander in Verbindung bleiben.