Stille ist Raum für Verbindung

Diese Woche hat mein Angebot Listening partnerships im neuen Format begonnen. Zusammen mit drei weiteren Frauen treffe ich mich bis Ende November regelmäßig, um zu erfahren, was es bedeutet, einander zuzuhören und den Raum zu haben, ohne Bewertung auszudrücken, was uns gerade bewegt.

Dabei begegne ich zum 1. Mal seit Langem (oder vielleicht seit immer?) der Möglichkeit, Stille im Austausch und in der Beziehung zu anderen Menschen zu erleben.

Ich kenne Stille als einen Raum für mich sehr gut und besuche ihn regelmäßig. Mir ist es aber nicht vertraut, Stille zuzulassen, wenn ich mit anderen Menschen spreche. 

Stille im Kontakt lässt ein wunderbares, nährendes und beruhigendes Feld entstehen und gleichzeitig merke ich, wie in mir Unwohlsein entsteht, dass ich mich ohne Worte, die den Raum füllen, zu sehr offenbare.

Erstaunlich nicht? Dass es nicht der Ausdruck oder das Gespräch ist, bei dem ich meine, zu viel preiszugeben, sondern der Raum und die Ruhe zwischen den Worten.

Tatsächlich werden Worte oft dafür verwandt, von dem abzulenken, was uns wirklich nahe geht. Und das ganz unbewusst. Dann Rationalisieren wir das, was uns eigentlich tief berührt oder erklären uns mit vielen Worten, wo uns eigentlich nur ein „Nein“ über die Lippen gehen will.

Worte sind Frequenz. Stille ist es auch.

Stille zieht Ruhe an – in den Gedanken und im Nervensystem. In Stille kann Klarheit entstehen. Über das, was hinter den Worten ausgedrückt werden will oder auch nur aktiv ist.

Im Kontakt mit anderen Menschen gibt es für mich einen Unterschied zwischen Stille und Schweigen. Sich anzuschweigen geschieht oft als Erwiderung auf Gefühle des Ärgers, des Widerstands oder als Ausdruck von mangelnder Nähe.

Stille hingegen bedeutet für mich, dass sowohl Herz als auch Geist offen sind für das, was zwischen den Worten schwingt.

Diese Woche habe ich in Listening partnerships für mich erstaunlich viel Stille zugelassen. Sowohl in dem, was ich geteilt habe, als auch als Gastgeberin des Raums, den wir in der Gruppe gestalten.

Für uns alle war es eine Erfahrung der Verbindung und des Vertrauens, ohne dass jede von uns sich vorher kannte.

Da, wo wir Räume schaffen, in denen nicht nur geteilt, bewertet, gelöst, erklärt oder gerechtfertigt wird, schaffen wir auch Raum für das, was das Leben tatsächlich ausmacht: die Stille, die uns alle schlussendlich umgibt, wenn wir es wagen, hinzuhören.

Wenn wir einmal alle äußeren Ablenkungen (Medien, Endgeräte, der Lärm von Menschenmassen etc.) abstellen, dann lässt sich schnell erkennen, dass der Raum, der uns umgibt, aus Stille besteht.

Stille, die immer neue Bewegungen hervorbringt und in die Stille zurückkehrt. 

Stille hat vielfältiges Potenzial. In der Stille ist nichts festgelegt, vorausgeplant oder kontrolliert. Was kommt, das kommt. Was geht, das geht. Stille erzeugt Resonanz für das, was in diesem Moment Bedeutung hat.   

Genauso funktioniert es für mich auch in Beziehungen: wenn wir in einem Gespräch nicht jede Lücke füllen, durch Fragen, Kommentare oder das eigene Erleben, dann kann die Stille ungeahnte Gedanken oder Erfahrungen zum Ausdruck bringen, die uns erlauben, einander näher zu kommen.

Dann ergibt sich die Möglichkeit, uns aus der Tiefe mitzuteilen: Wünsche, Hoffnungen oder Unsicherheiten, die in festgefahrenen Kommunikationsmustern keinen Platz finden.

Das ist für mich eine erste Erkenntnis aus Listening partnerships: einander die Zeit und die Präsenz zu schenken, dass wir uns selbst ein Stückchen näher kommen können. Und konsequenterweise auch einander.

Durch unbewertetes Austauschen und die Stille, die dadurch entsteht.

 

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