It’s time to let go of the drama & rediscover humanity

Ich habe diesen Satz vor Monaten von Zach Bush gehört und er geht mir seitdem nicht mehr aus dem Herzen, taucht immer wieder als ein klarer Hinweis auf, wann immer ich mich entweder selbst im Drama verrenne oder es im Außen beobachte.

Manchmal ist das so mit Aussagen. Sie gehen gleich mit einer tieferen Ebene des Seins in Resonanz, während der Intellekt sie gegebenenfalls gar nicht erfassen kann.

Für mich ist dieser Ausspruch wie eine Erklärung und ein Wegweiser zugleich. Er beschreibt das Dilemma, in dem wir uns individuell und kollektiv befinden und zeigt einen Weg daraus heraus.

Allgemein verwechseln wir die Dramen, die sich in uns und zwischen uns abspielen, mit dem Leben. Erst wenn es schmerzt, wenn es auseinandertreibt, wenn es aufspaltet, beginnen viele von uns zu fühlen. Dann nehmen wir an, dass Liebe schmerzhaft ist, dass Beziehungen viel Arbeit und Mühe verlangen, dass wir uns anstrengen müssen, für etwas kämpfen müssen, damit es besser wird.

Was aber, wenn vieles davon eine reine Illusion ist? Etwas, was viel mehr mit Konditionierung, mit dem, was wir beobachtet und vermittelt bekommen haben, zu tun hat, als mit dem, was das Leben uns eigentlich anbietet?

Es ist dramatisch, sich immer wieder in denselben Streitpunkten zu treffen, die immer gleichen Muster von Angriff, Rückzug, Ausweichen oder Beschuldigen zu bedienen. Es ist dramatisch, dass die Momente dazwischen, in denen es sich harmonisch und ausgeglichen anfühlt, von vielen von uns nicht als die eigentliche Wahrheit erkannt werden.

Dass wir entsprechend davon ausgehen, dass wir als Menschen vor allen Dingen gegensätzlich sind. Gegensätze, die sich ergänzen und gleichzeitig auseinandertreiben. Dass wir nicht erkennen, aus wie vielen feinen Nuancen jeder von uns besteht und Kategorisierungen entsprechend unpräzise sind. Dass wir nicht annehmen, wie beweglich und temporär unser Leben ist und damit auch unsere Beziehungen und dass wir die Kapazität besitzen, sie liebevoll, frei und kreativ zu gestalten.

Das ist für mich Menschlichkeit. Und es ist nur der Anfang. Denn die reine Erkenntnis ist noch nicht die tiefe Erfahrung.

Wenn wir uns ständig ablenken lassen von den kleinen und großen Dramen des Lebens, verfallen wir nicht nur der Annahme, diese seien das Leben, sondern wir nehmen uns auch jegliche Freiheit, die Magie, die Intelligenz und den Fluss des Lebens und damit unserer Menschlichkeit zuzulassen und zu erkunden. 

It’s time to let go of the drama and rediscover humanity dient für mich als Leitsatz in Zeiten wie diesen, die ich als intensiv und dadurch klärend und heilsam empfinde. Bin ich gerade in meinen Mustern von Angst und Zurückweichen gefangen oder lasse ich mein Herz, meinen Geist und Körper so offen, dass das, was mich anficht, auf einen neuen, fruchtbareren Boden treffen kann? Kann ich zulassen, dass das Leben geschieht und ich weder sein Opfer noch seine Kontrolleurin bin?

Viel Drama geschieht auch, weil wir nicht zulassen können, was ist. Weil wir Angst bekommen, was passieren könnte, wenn wir nicht auf unsere althergebrachte Art reagieren. Vielleicht gingen wir dann unter, flüstert unser „Verstand“, vielleicht werden wir ausgeschlossen, nicht mehr geliebt oder ernst genommen.

Es ist eine kleine Revolution, wenn wir uns diesen starken Gefühlen stellen, sie stehen und fließen lassen, ohne sie durch gedankliches Drama aufzuladen. Es ist eine kleine Revolution, wenn wir in Konfrontationen nicht auf unsere herkömmliche Weise reagieren, sondern uns stattdessen den Raum und die Zeit zugestehen, einen anderen Weg zu wählen. Den nach Innen und vom Innen ins Außen.

Wenn wir beginnen unsere eigene Menschlichkeit – unsere innere Fülle, unsere Vielschichtigkeit – zu erkunden, entstehen nicht nur neue Perspektiven, sondern auch Handlungsmöglichkeiten, die uns aus der Enge des Dramas in die Weite des Menschseins führen.

Für mich ist das nicht nur ein grundlegendes Lebensthema, sondern auch die nachhaltigste Herangehensweise in eine neue Form des (Zusammen)Seins.

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Die Kraft des Zuhörens