Die Kraft des Zuhörens
„Einem Menschen zuzuhören, ist die größte Form des Respekts.”“
Ein kleines Plädoyer fürs Zuhören.
Eine Kapazität, die uns nichts kostet. Außer Zeit, Aufmerksamkeit und Intention. In ihrer Wirkung so kraftvoll und heilsam.
Wie oft erleben wir es, dass wir uns austauschen, miteinander gesprochen haben, also in Kontakt zueinander waren und uns dennoch leer fühlen. Das mag an den Worten liegen, die wir gehört haben und ist zeitgleich bedingt durch einen Mangel an Aufmerksamkeit, der uns entgegen gebracht wurde. It goes both ways.
Viele unserer Gespräche finden zwischen Tür und Angel statt: beim Abgeben der Kinder in Kindergarten oder Schule, ein kurzer Austausch von Befindlichkeiten, vielleicht auch von Meinungen über neueste Entwicklungen in den jeweiligen Institutionen.
Beruflich geht es viel darum, dass wir gehört werden, damit wir uns in unserer Rolle verfestigen, nicht untergehen in dem Hamsterrad der Betriebsamkeit.
Zwischendurch tauschen wir uns mit unseren Kindern aus, oft flüchten wir uns allerdings in Ansagen, Direktiven, investigative Nachfrage. Und abends findet dann eine kurze Abklärung mit Partner/Partnerin über den Ablauf des nächsten Tages statt.
Ich überspitze, aber vielleicht erkennst Du Dich in der ein oder anderen Situation wieder.
Wir nutzen eine unserer größten Kapazitäten – die Kommunikation – mehr schlecht als recht. Wir setzen sie zu oft ein und gleichzeitig viel zu wenig.
Denn abgesehen von der Möglichkeit des Selbstausdrucks durch Worte, wird Kommunikation auch durch das Zuhören definiert. Und das ist nicht die alleinige Aufnahme von Informationen, um sie umgehend einzuordnen, aufzunehmen oder abzuweisen. Zuhören kann – und darf viel mehr – ein bewusster Akt des Sich-Zurück-Nehmens sein.
Nicht im Sinne eines Verzichts auf die eigenen Bedürfnisse, sondern eine Haltung, in der ich mich in mir selbst verankere und dem Anderen den Raum überlasse, um zu Ausdruck zu bringen, was in ihm oder ihr vorgeht. Denn auch wenn es sich um ein scheinbares Mitteilen von Fakten oder Begebenheiten geht, liegt darunter eine Gefühlsregung, ein Bedürfnis, ein tieferer Grund, warum wir uns mitteilen wollen.
Kennst Du das Gefühl, dass Du Dich nicht geachtet gefühlt hast, als Du z.B. Deinem Partner/in mitgeteilt hast, was Dich gerade bewegt und er/sie darauf nicht eingegangen ist, scheinbar anderswo in Gedanken und unmittelbar auf ein anderes Thema lenkend?
Für mich ist das jedes Mal ein kleiner Stich ins Herz, denn nicht gehört zu werden, kommt mir (und vielen) gleich einer Geringschätzung, was wiederum an alten Wunden rührt.
Selbstverständlich ist die angesprochene Situation und der entsprechende Gegenpart für meine Reaktion nicht verantwortlich und gleichzeitig wird deutlich, welche Kraft Zuhören im Umkehrschluss haben kann.
Wenn ich zuhöre, gerade denen, die im Aufruhr sind, die sich traurig und verzweifelt oder verwirrt fühlen, dann ist das heilsam.
Mit der Intention, Herz und Ohr offenzuhalten, zuzulassen und stehen zu lassen, was gesagt wird, eröffne ich einen Raum, in dem der/die andere sich nicht nur entlastet, sondern auch Schichten abdecken kann, die sich über eine innere Lösung gelegt haben. Die der Gedanken, der Analyse oder der Angst. Sie zu durchdringen kann aktiverer Hilfe bedürfen oder aber der passiveren Präsenz eines Zuhörers oder einer Zuhörerin.
Und dennoch: Spoiler alert! Denn traditionell beschenken gerade diejenigen andere mit Zuhören, die sich selbst immer wieder zurücknehmen. Wie jede Aufmerksamkeit sollte Zuhören nur dann gegeben werden, wenn ich es will für diese Person, in diesem Moment, in diesem Rahmen.
Kommunikation sollte niemals Mittel zum Zweck sein, sondern bewusst und im Einklang mit sich selbst angeboten werden. Und wenn wir diese Bewusstheit haben und Intention setzen, dann können wir mit aufmerksamem Zuhören, ohne Wertung, Rat-Schlag oder Moralisierung uns und anderen das wertvolle Geschenk von Beziehung und von Verbundenheit machen.
PS: In diesem Sinne biete ich ab dem 11.06. in 2wöchiger Frequenz „Listening partnerships für Mütter & Väter“ an.
In diesem Format treffen wir uns online, um einander zuzuhören in denen Herausforderungen und Freuden der Elternschaft, die wir alle teilen und dennoch nicht oft genug Gehör verschaffen. Gerade das kann uns aber mental und emotional entlasten und ein Gefühl von Zugehörigkeit verschaffen.
Pro Termin berechne ich ein Honorar von 7,50 Euro. Die Termine können auch einzeln gebucht werden.