Die Kunst, in Beziehung zu bleiben

Vor mehr als 10 Jahren habe ich in meinem Leben eine Wendung gegeben: weg von der Unternehmenskommunikation hin zur Konfliktlösung, zur zwischenmenschlichen Kommunikation.

Was mich an dem Thema faszinierte, ist das, was ich nach nun vielen Jahren der Vertiefung noch immer am bewegendsten finde: der Weg aus Konflikten ist es, grundlegend in Beziehung zu bleiben.

Das heißt nicht, dass eine Ehe oder eine berufliche Partnerschaft aufrechterhalten werden muss. Das heißt „nur“, dass wir uns von dem anderen Menschen nicht abwenden, durch Attacke oder Rückzug, sondern die Offenheit und den Mut haben, in den Austausch zu gehen.

In den Austausch gehen, heißt, sich unserer eigenen Gefühle und Gedanken bewusst zu sein und sie klar zum Ausdruck bringen zu können. Es bedeutet, dem anderen das gleiche zuzugestehen. 

Es bedeutet vor allen Dingen auch, es er-tragen zu können, konfrontiert zu werden. Mit anderen Ansichten, Wahrnehmungen und Gefühlen. Konfrontiert zu werden durch Rückmeldung und auch mit den eigenen Schattenseiten. 

Dem, was wir eigentlich ungerne benennen oder über uns erkennen wollen, was in Konfliktsituationen aber oftmals Ursache oder Auslöser ist.

In Beziehung bleiben trotz Konflikt ist für mich Seelenstärke.

Offenbleiben, durchlässig sein, innerlich klar werden – all das sind Aspekte für einen Austausch, der nicht zwangsläufig bedeutet, dass wir uns einig werden oder gar in Kontakt bleiben.

Unsere menschliche Fähigkeit, mit uns selbst und in anderen auf diese Weise in Verbindung zu stehen, ist aber die Grundlage dafür, dass Konflikte nicht zerstören. Beziehungen, Wohlbefinden, Leben.

Was im Kleinen gilt, gilt (wie eigentlich immer) auch im Großen. 

Im „Kleinen“ können wir dafür den Samen legen.

Was es braucht, ist Training. Eine regelmäßige Rückverbindung auf unseren Körper und unser Herz. Dort, wo wir einen aktuellen Konflikt am ehesten spüren, sei es in der Form von Enge, Angst oder Wut.

Dort wo wir auch spüren können, wie es sich anfühlt, wenn wir auf eine Auseinandersetzung mit Offenheit, Interesse und Verbindung reagieren.

Für mich selbst bedeutet das oft das Gefühl eines klammen Herzens. Es braucht mich immer wieder Mut und Überwindung auf die Menschen, von denen ich mich getriggert fühle, mit Akzeptanz und Offenheit zu reagieren.

Jedes Mal, wenn es mir dann gelingt, ist das ein weiterer Schritt hin zu mehr innerer Stabilität und Klarheit.

Beides gewinnen wir nicht nur durch die Verbindung zu uns selbst, sondern vor allen Dingen im Austausch mit anderen.

 

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Gefühle wollen gefühlt werden